Oder-Neiße-Radweg

  • 0

Oder-Neiße-Radweg

3 Wochen und 1500 km

Wie in der Wildnis in Kanada beschlossen, gab es 2009 den Deutschland-Drahtesel-Urlaub.  Naja, kurze Abstecher nach Polen waren dabei. Schließlich waren wir an den Grenzflüssen Oder und Neiße unterwegs und Einkaufsmöglichkeiten gab es manchmal nur in Polen. Zum Glück hatte ich mit Werner keine Wette über die Art der Rückkehr abgeschlossen. Ich war der Meinung, wir müssen mit dem Zug nach Hause kommen. Werner war felsenfest überzeugt, wir schaffen es mit Muskelkraft. Er hatte recht.

Oder bei Mescherin

Oder bei Mescherin

Hier zwei Ausschnitte aus dem Reisebericht: ………..“Das Gezwitscher der Vögel weckt uns früh, so dass wir zeitig auf den Rädern sitzen. Am Waldrand ist ein beschauliches Dorf, hier kam wohl die Musik her. Wir starten in einen sonnigen Morgen, erleben das Erwachen der Natur. Unser Weg führt nach Güstrow. Zum Glück hat so manch ein Bäcker inzwischen sonntags geöffnet. So finden wir zur besten Frühstückszeit eine Bäckerei und die nette Verkäuferin füllt erstmal unsere Wasserflaschen. Am Nebentisch sitzen Berliner, die gerade mit voll beladenen Rädern mit dem Zug gekommen sind und nach Berlin zurück fahren wollen. Unser Reiseziel können wir nicht genau benennen, wir fahren zum Oder-Neiße-Radweg und werden sehen, wie weit wir es nach Süden schaffen. Bei Kaffee und Berliner haben wir Berliner getroffen – und dann auch noch Gleichgesinnte. Berliner treffen wir noch öfter, aber nicht beim Bäcker. Aber Kaffee und Berliner sollen auf dieser Reise zur Institution werden und zum Treffpunkt mit interessanten und interessierten Leuten. Nach einer Runde durch die Altstadt, vorbei an Rathaus und Kirche, wo die ersten Kirchgänger den Heimweg antreten, verlassen wir Güstrow Richtung Teterow.

ODer-Neiße_Beitrag08

Mit Rückenwind geht es in die Mecklenburgische Schweiz, wo die Steigungen etwas steiler und länger werden, als wir es von Wismar und Umgebung gewohnt sind. In Teterow lassen wir beim Bäcker wieder die Wasserflaschen füllen. Bald sind wir in Malchin, wo wir auf den Rathausstufen das Wasser aus Teterow trinken. Langsam wird es Zeit nach einer Übernachtung zu suchen. Wir sind schon hinter Stavenhagen, ein Zeltplatz ist nicht ausgeschildert. Also machen wir uns im nächsten Wäldchen breit, stellen unser Gepäck auf Buchenlaub. Augenblicklich umsurrt uns ein Mückenschwarm. Zum Glück haben wir noch Mückenspray aus Kanada in unserer Ausrüstung. Die mecklenburgischen Plagegeister sind von dem Gift aus Übersee schockiert und wir haben unsere Ruhe. Auf den Feldern rings um unser Wäldchen beginnt gerade die Ernte. Wir sind 93 km geradelt und schlafen so schnell ein, dass wir nicht mehr merken, wann die Mähdrescher Ruhe geben. Gegen Morgen wache ich von einem Geräusch auf. Es ist so gleichförmig rauschend und einschläfernd. Ich möchte nicht aus meinem Schlafsack kriechen. Es ist der Zustand, den man als Camper und Radfahrer am meisten verwünscht. Es ist Regen. Die Bauern kannten den Wetterbericht.“………..

ODer-Neiße_Beitrag07

……….“Der Himmel ist schon fast schwarz, als wir am nächsten Morgen in die Pedalen treten. Wir kommen trocken bis Groß Neuendorf und haben riesiges Glück, denn am Radweg steht ein Schild „Kaffee und Kuchen“. Wir biegen ab und gleich hinterm Deich steht ein Fachwerkhaus mit einem großen Sonnenschirm davor, der uns jetzt als Regenschirm dient. Berliner gibt es nicht, dafür selbst gebackenen Apfelkuchen mit Sahne, hm, lecker. Hier müssen wir vorerst ausharren, der Himmel hat seine Schleusen geöffnet. Nach dem dritten Pott Kaffee lässt der Regen nach und wir steigen mutig auf unsere Drahtesel. Lange geht das nicht gut, es gießt schon wieder wie aus Kübeln. Wir sind aber kurz vor einem Pegelhaus, direkt am Deich gelegen. Das Haus hat ein kleines Vordach und der Wind kommt von der anderen Seite, so dass wir dicht an der Wand gelehnt unter dem Dachüberstand trocken stehen und über den Fluss blicken können. Wir haben jetzt Zeit für Beobachtungen – notgedrungen. Je stärker der Regen wird, desto mehr Wasservögel verstecken sich im Schilf, oft sind alle verschwunden. Lässt das Geplätscher nach, kommen sie wieder hervor und schwimmen oder fliegen über den Fluss. „Ich hätte jetzt gern Federkleid und Bürzeldrüse wie ein Wasservogel“ sage ich zu Werner und er versteht meinen Wunsch, denn er weiß, dass mir kalt ist – er schwitzt in seiner Wetterjacke. Der Regen will nicht aufhören und wir haben Zeit für weitere Betrachtungen. Von der Dachrinne des Pegelhäuschens hängt eine Kette bis ins Gras herunter. Wird der Regen schwächer, tropft es nur von Kettenglied zu Kettenglied. Fängt es an zu gießen, wird die Kette zu einem Wasserfall. Ohne Dauerregen hätten wir nicht das Versteckspiel der Vögel und die Verwandlung der Kette erlebt, auch nicht den Regenbogen, der sich über den Fluss wölbt und uns nach einer guten Stunde das Signal zum Weiterfahren gibt. Es tröpfelt zwar immer noch, aber wir müssen hier weg, uns im Notfall eine feste Unterkunft besorgen.“

Oder-Neiße-RadwegNein, wir hatten nicht nur Regenwetter. Es wurde noch so warm, dass wir uns nach Schatten sehnten.

zur Fotogalerie


Kein Thema mehr verpassen?

das ist bisher passiert …

Kategorien