Sahara im Advent

Sahara im Advent

2006, im Dezember, zog es meine Freundin Anett und mich in die Sahara. Frauen-Urlaub. Ruhe genießen. Beobachten, wie der Wind mit dem Sand spielt. Hören, wie der Wind säuselt. Den heißen Wüstensand im Gesicht spüren. Durch erhabene Sanddünen laufen oder auf einem Dromedar reiten. So könnten wir jederzeit wieder aus dem Alltag aussteigen.

Zwei Frauen und ein Abenteuer

Rast auf der Düne

Rast auf der Düne

In Norddeutschland war im Dezember kein richtiger Winter. Wieder einmal nasskaltes Gruselwetter, und wir Abenteurer freuten uns auf ein paar Tage Sonnenschein in der Sahara.

Was hat uns Frauen bewogen, in die Wüste zu reisen? Das nördliche Tunesien kannten einige bereits. Jetzt wollten wir unbedingt in den Süden, das Gegensätzliche dieses Landes kennen lernen. Nicht im Hotel, sondern in der Natur. Richtig in die Wüste oder zu Hause bleiben.

Nach der ersten Nacht im Hotel auf Djerba fuhren wir zur Oasenstadt Douz. Von dort ging es gut gerüstet mit frisch erworbenen Kopftüchern und jeder Menge Wasser auf die Piste Richtung Wüstencamp Djebil. Die Landschaft veränderte sich. Erst mehr Steine, aber nach und nach Sanddünen, erst kleine, dann größere.

Jetzt war es endgültig, es gab kein Zurück. Die nächsten Tage würden wir uns auf unsere Füße, die Dromedare als Transportmittel und drei Männer als Führer verlassen müssen. Wir freuten uns auf das Leben in und mit dem Rhythmus der Natur, auf das Schlafen im offenen Zelt, das Wüstenessen und die Sanddünen – auf unser Abenteuer.

Wüstenküche

Das Begrüßungsessen im Wüstencamp bestand aus Tomatensuppe, Couscous mit Zwiebeln, Tomaten und Lammfleisch. Es schmeckte ausgezeichnet. Anschließend erklärte uns der Reiseleiter, wie ein Wüstenabwasch funktioniert. Teller und Besteck ab in den Sand und schrubben. Einfach und praktisch, wie alles hier. Morgens weckte uns das Geklapper des Geschirrs. Unsere Morgentoilette erledigten wir mit Feuchttücher und Wasserflasche hinter einer Düne. Der Himmel färbte sich rot und wir erlebten einen wunderschönen Sonnenaufgang. Zum Frühstück gab es frisch gebackenes Sandbrot, dazu Streichkäse, Feigenmarmelade und Pfefferminztee. Wir bestaunten die Wüstenküche. In Klappkisten verstaut entdeckten wir Kartoffeln, Reis, Nudeln, Couscous, Zwiebeln, Möhren, Knoblauch, Tomaten, Zucker, Kurkuma, Salz, Mehl, Olivenöl, Tee….. und jede Menge Büchsen Tomatenmark und Thunfisch. Ohne Hektik begannen die Männer mit dem Aufräumen des Lagerplatzes. Die Dromadare wurden von den Futterplätzen geholt und beladen.

Wüstenruhe

Desert Rose

Desert Rose

Mit Tagesrucksack auf dem Rücken, Wasserflasche in der Hand und Kamera um den Hals traten wir in die Spuren der Dromedare. Die Strecke war zum Angewöhnen nicht schwierig, der Boden fest. Welche Geräusche gab es hier? Der Wind säuselte, das gleichmäßige Auftreten der Tiere, die eigenen Schritte im Sand………….Nach kurzer Zeit wussten wir, die Wüste hat eine außergewöhnlich beruhigende Wirkung, lässt die Hektik der vergangenen Wochen einfach abfallen. Tolle Fotomotive taten sich vor uns auf. Bald wurden die Sanddünen höher und wir bekamen einen Vorgeschmack vom Laufen im losen Sand. Inzwischen war es Mittag. Zum Ausruhen erhielten wir unsere Schlafmatten. Schuhe aus und Sand an die Füße, ein herrliches Gefühl. Dazu herzhaften Thunfischsalat mit Sandbrot.
Wir zogen weiter durch hohe Dünen ohne Vegetation und flache Gebiete mit vielen Büschen. Das Licht veränderte sich, die Büsche gaben immer längere Schatten. Bald war eine geeignete Stelle als Übernachtungsplatz gefunden. Die Tiere wurden von ihrer Last befreit und die Wüstenküche   aufgebaut. Die Männer zeigten uns stolz ihren selbst gebauten Dämpftopf. Reis mit viel Gemüse wurde gekocht. Sofern der normale Mitteleuropäer nicht nur Glutamat angereichertes Fast-Food-Essen zu sich nimmt und damit seine Geschmacksnerven fast abgetötet hat, wird er das Wüstenessen lieben.

Wüstenschüssel

Keiner sollte glauben, die Tage in der Wüste verliefen gleichförmig. Wir rasteten an einem Brunnen. Die Dromedare wurden getränkt. Übrigens aus der gleichen Schüssel, in der unser Koch später wieder des Gemüse wusch. Keiner kann in der Wüste eine Extrawurst oder besser Extraschüssel bekommen.

Wüstentiere und Schott

Dromedar-Kopfstudie

Dromedar-Kopfstudie

Wer hätte in der Sahara mit Vogelgezwitscher gerechnet? Wir nicht, doch bald erkannten wir, die Wüste ist keine leblose Einöde. Eine kleine Echse konnten wir beim Sonnen beobachten. Und Wüstenspringmäuse fanden unser Zelt ganz nett. Die Tiere waren alle sandfarben, angepaßt an ihre Umgebung. Tierspuren von Wüstenfuchs, Maus und Skarabäuskäfer lernten wir deuten. Nachts war unser Zelt Skarabäuskäfer-Krabbelgebiet, kreuz und quer zogen sich die wie Reisverschlüsse aussehenden Linien.

Mitte der Woche ging es Richtung Salzsee, auch Schott genannt. Im Sand und auf unserer Haut begannen tausende Salzkristalle zu glitzern. Einer unserer Begleiter hob die erste Wüstenrose auf – und bald fanden wir selbst ganz viele.

Wüstenmond, Sternenhimmel und Solitär

Wüsten-Solitär-Dromedarköttel-Spiel

Wüsten-Solitär-Dromedarköttel-Spiel

Die letzte Nacht verbrachten wir wieder im Hotel auf Djerba. Bleibende Erinnerungen nehmen wir mit aus der Einsamkeit. In der dritten Nacht war Vollmond, der Mondaufgang und das surreale Licht waren ein Erlebnis besonderer Art. Doch am letzten Abend konnten wir noch den fantastischen Sternenhimmel genießen. Übrigens waren wir am Nikolaustag in der Wüste und malten zum Vergnügen aller viele Varianten vom „Haus vom Nikolaus“ in den Sand. Sandspiele sind hier sehr beliebt. Keine zivilisierten Zeit-Totschlag-Geräte stören das kreative Spiel. Frische Dromedarköttel sehen aus wie grüne Oliven, getrocknet werden sie grau und fest. Also kleine Kuhlen in den Sand und getrocknete Köttel hinein. Los ging das Wüsten-Solitär-Dromedarköttel-Spiel.

Wüstenbewohner

Nicht zu vergessen, dass algerische Nomaden unseren Weg kreuzten. Drei Generationen, ihre ganze Habe auf ein paar Dromedare verteilt, zogen durch die Wüste. Von dem Wenigen gaben sie gern ab und schenkten uns frisch geerntete Datteln. Welch eine Geste!

Wir haben noch ein besonderes Souvenir: Die leckeren Wüstenrezepte. Sie werden zu Hause unseren Speiseplan bereichern.

Ein Highliht waren die Abende am Lagerfeuer. Mit viel Musik, die Dromedartränk- und Gemüsewaschschüssel als Tamtam benutzt – da war unsere Lust auf Fernsehen einfach wie weggeblasen. So gern wir uns Sendungen über interessante Reiseziele in aller Welt ansehen: Hier haben wir niemandem zugeschaut, hier waren wir die Akteure.


Reisen sollte nur der Mensch, der sich überraschen lassen will.

Oskar Maria Graf


das ist bisher passiert …

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