Von Vorbereitung bis Wegfindung

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Von Vorbereitung bis Wegfindung

Category : Rad Touren

Star vor der Haustür

Start vor der Haustür

Nach gut 2000 km im Fahrradsattel sitze ich wieder am heimischen Laptop. Keine gepolsterte Hose am Hintern, sondern Jeans. Statt Frischluftvergiftung Büromief. Laptoptasten und keine Lenkergriffe mehr. Es hilft nichts, ich muss da durch. Die vier Wochen unterwegs sein fühlen sich heute an wie vier Monate – wenigstens. Nur mit dem Gedanken an die nächste Tour halte ich es in geschlossenen Räumen aus. Mir fehlt Bewegung und frische Luft.

Wie sind wir zu dieser Radreise gekommen? Kürzlich waren Freunde aus dem Saarland hier. Die haben uns doch glatt einen Gegenbesuch ohne Auto, aber mit den Rädern zugetraut. Warum nicht? Die Idee, per Stahlross ins Saarland und dann natürlich nach Frankreich zu düsen, ist geboren. Und schon beginnt die aufregende Zeit der Organisation.

Die Sache mit den Vorbereitungen

Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf. Die altbewährte Packliste muss her. Sind die Radtaschen ausreichend? Schließlich übernachten wir im Zelt und die komplette Ausrüstung will befördert werden. Muss das Zelt imprägniert werden? Ist die Nachbarin auch da, um unsere Blumen zu gießen? Fahren wir wie beim letzten Mal nach Karte, oder sollten wir uns doch endlich GPS zulegen? Den schönsten Weg ins Saarland – gibt es den überhaupt? Und damit sind wir bei den nächsten Punkten: Packerei und Tourenplanung.

Die Sache mit der Packerei

Hilfe, wir packen!

Hilfe, wir packen!

Im Wohnzimmer türmen sich die Radtaschen. Geschirr, Kocher, Gaskartuschen, Schlafsäcke, Isomatten und, und, und stapeln sich daneben. Kleidung verpacke ich in farbige Nylonbeutel unterschiedlicher Größe. Bald lichtet sich das Chaos. Meine Taschen von Ortlieb und der Seesack von Mountain Equipment sind wasserdicht. Hier drin befördern wir alles, was auf jeden Fall trocken bleiben muss. Werners No-Name-Taschen sind nur wasserabweisend, dafür packen sie sich besser. Die vielen kleinen Außentaschen finden wir praktisch. Inzwischen sind wir Pack-Profis, nach kurzer Zeit ist alles verstaut. Doch Werners Taschen bewähren sich auf dieser Reise nicht. Sie sind das zweite Mal im Großeinsatz und einige Halterungen sind schon defekt. Kurzum, für die nächste Tour müssen bessere Taschen her.

Die Sache mit der Tourenplanung

Kurz vor Hannover

Kurz vor Hannover

Unser Ziel ist das Mandelbachtal. Idyllisch gelegen im Saarland und unweit der Grenze zu Frankreich. Werners Schulfreund aus Hannover erfährt von unserem Vorhaben und bietet uns an, in seinem Garten zu zelten. Dann stehen wir seit ein paar Monaten mit Karin und Claus per e-Mail in Verbindung. Die beiden sind wie wir Reiseradler, wohnen in der Nähe von Köln und haben uns eingeladen. Bisher hatten wir das Motto „Unser Plan ist, keinen Plan zu haben“. Doch nun zeichnet sich eine Reiseroute ab, die so aussehen könnte. Von Proseken nach Gadebusch, Richtung Zarrentin und über die Elbe. Durch die Lüneburger Heide, Hannover, Weser Bergland, Eggegebirge, Paderborn, Arnsberger Wald, Sauerland, Bergisches Land, Köln. Von dort am Rhein entlang und durch die Eifel ins Saarland. Nach reiflicher Überlegung entscheiden wir uns für Radkarten und sind damit beim nächsten Kapitel.

Die Sache mit den Fahrradkarten

Die Recherche im Internet ergibt, dass kein Verlag für Deutschland flächendeckend Radkarten anbietet. Beim Wismarer Buchhändler besorge ich Karten bis Köln. Sechs Karten, vier Verlage. Hinter Paderborn klafft eine Lücke, die wir hoffentlich überbrücken können. In Köln, beim gut sortierten Globetrotter-Ausrüstungs-Markt, werden wir die restlichen Karten erwerben. Ich habe mich vorsichtshalber telefonisch erkundigt.

Die ersten 50 km sind heimatliches Terrain, wir nehmen zwischen Gadebusch und Elbe die erste Karte zur Hand. Sie ist von Maiwald und aus unserem Bestand. Nass werden sollte sie auf keinen Fall. Hinter der Elbe ist die offizielle Karte des ADFC, Bielefelder Verlagsanstalt (BVA), im Einsatz. Sehr übersichtlich, sogar mit Straßennamen, doch weder wasser- noch reißfest. Bald angerissen und stellenweise unleserlich, da feucht geworden. Die organisierten Radler sind wohl nur bei Sonnenschein auf der Piste. Die nächste Karte ist von bikeline, tatsächlich wasserfest und sogar mit Stadtplan von Hannover. Dann wieder eine wasserlösliche ADFC-Karte von Ostwestfalen. Neue Karte, neuer Verlag. Diese Kompass-Karte gefällt uns am besten. Verträgt Regen und ist schön handlich. Nachdem wir das Weser Bergland und Eggegebirge hinter uns gelassen und damit erste Mittelgebirgserfahrungen gesammelt haben, entschließen wir uns hinter Soest, unsere Tour durch das Ruhrgebiet fortzusetzen. Entlang der Ruhr bis Duisburg, dann den Rhein-Radweg bis Köln. Das sind mehr Kilometer, aber die Radkarte zeigt entlang der Flüsse nicht immer diese fiesen Pfeile, die Steigungen bedeuten. Ich besorge eine zusätzliche Kompass-Karte und bei Wickede erreichen wir die Ruhr. Doch die neu erworbene Kompass-Karte erweist sich als Flop. Nicht ein einziger Zeltplatz ist eingezeichnet. Es ist nicht zu fassen. Uns bleibt nichts weiter, als uns durchzufragen. Eine Kompass-Karte von Köln-Bergisches Land haben wir noch in der Tasche. Hier das gleiche Dilemma. Bei Globetrotter bietet man uns Kompass-Karten an, doch wir lehnen dankend ab. Statt dessen nehmen wir wasserfeste Karten von Publicpress. Hier gibt es das Zeltplatzzeichen nicht nur in der Legende. Ich kontrolliere mit dem netten Verkäufer akribisch jede Karte. Die Fehldrucke von Kompass wird man reklamieren. Wasserfeste Karten sind in diesem Sommer viel wert. Damit sind wir beim nächsten Thema, dem sonderbaren Wetter.

(Anmerkung zu den Kompass-Karten: Wir haben die Karten beim Verlag reklamiert. Man hat sich für den Hinweis bedankt und entschuldigt. Die Karten werden korrigiert und kommen neu in den Handel. Als Entschädigung hat man uns sechs Radkarten unserer Wahl geschickt. Das finden wir in Ordnung.)

Die Sache mit dem Wetter

Glück gehabt, rechtzeitig die Brücke erreicht

Glück gehabt, rechtzeitig die Brücke erreicht.

Ein paar Tage sind wir unterwegs, da kommen von zu Hause die ersten Nachrichten mit folgenden Fragen: „Seid ihr weggeschwommen?“, „Wie kommt ihr mit dem Dauerregen zu recht?“ usw. Da wir wegen der miesen Wetterprognosen erstmals ein Reiseradio dabei haben, sind uns die Unwetterwarnungen für die Ostseeküste nicht entgangen. Uns ist bald klar, dass wir den schlimmsten Wetterkapriolen davon gefahren sind. Wir haben sehr oft heftige, kurze Schauern oder auch schon mal zwei oder drei Stunden Landregen. Für uns erträglich. In Dahlenburg, zwischen Elbe und Lüneburg, brauchen wir das erste Mal unsere Plane als Regenschutz. Danach finden wir meist rechtzeitig eine Bushaltestelle, einen dichten Baum, eine Brücke oder eine (Telefon-)Zelle in Celle. Dauerregen erweicht unsere Klamotten und Nerven das erste Mal am Rhein. Dann erst wieder am letzten Tag, als wir vom Schaalsee nach Hause zurück kehren. Drei echte Sommertage sind uns auch beschwert, das soll hier ausdrücklich erwähnt werden. Am Tag der Abreise, im Saarland und in Frankreich. Einmal ist es nachts so kalt, dass ich im wirklich warmen Schlafsack Funktionsunterwäsche anziehe. Die Butter ist manchmal fester als zu Hause in Kühlschrank. Soviel zum Sommer 2011, der eher herbstlich daher kam.

Die Sache mit der Wegfindung

In Krefeld stehen wir bei strömendem Regen in einem Park. Dass wir ziemlich weit vom Rhein weg sind, haben wir mitbekommen. Es muss nicht zwangsläufig falsch sein. Die Radweg-Umleitungs-Ausschilderung endet abrupt. Genau hier wäre GPS hilfreich. Oder zumindest ein wasserfester Stadtplan. Doch ein unerschrockener Hunde-Gassi-Geher erklärt uns ungefragt den Weg zurück zum Radweg.

Auch in Horn-Bad Meinberg hätten wir mit GPS sicherlich den direkten Weg gefunden. Doch wir rollen durch bunt blühende Wiesen und finden diesen naturbelassenen Landstrich einen Umweg wert. Am Hardausee hinter Uelzen lassen wir uns von anderen Radlern zu einem Waldweg Richtung Eschede überreden. Die Abkürzung hat uns mehrere Kilometer Räder schieben im losen Sand eingebracht. Wir nehmen den kürzesten Weg zum Radweg an der Bundesstraße und sind froh, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben. Im Eggegebirge, zwischen Horn-Bad Meinberg und Schlangen, biegen wir zu früh ab und fahren bergauf und bergab einen unbefestigten Weg durch den Wald. Das Schieben bleibt uns erspart, dieser Weg ist gut befahrbar.

Im Weser-Bergland

Im Weser-Bergland

Letztendlich sind unsere Erfahrungen mit Radkarten, egal von welchem Verlag, recht positiv. Der Maßstab 1:75000 ist in Ordnung. Wir sind auf vielen wenig befahrenen Straßen oder straßenbegleitenden Radwegen unterwegs und können alle Informationen aus den Karten entnehmen. Entlang der Flüsse ist die Wegfindung meist einfach. Krefeld bestätigt die Ausnahme von der Regel. Die GPS-Radler, mit denen wir uns unterhalten, kommen grundsätzlich schneller durch die Ballungsgebiete, haben aber nicht so viel Kontakt zu den Einheimischen. Radkarten haben sie trotzdem dabei. Fast immer, wenn wir die Karte studieren, ist ein netter Helfer ungefragt zur Stelle. So geschehen zum Beispiel in Soest, Krefeld oder Soltau, wo uns eine gute Fee zu einem kleinen Zeltplatz schickt, der auf unserer Karte gar nicht verzeichnet ist. Damit sind wir beim nächsten Thema. Wo haben wir denn unser Zelt aufgeschlagen?

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